Tausche Schubladen gegen Regal

Die Schlange ist lang bei der Ärztin meines Vertrauens. Scheint als hätten mehr Menschen die Idee gehabt den Urlaub für einen Arztbesuch zu nutzen. Ein Husten hier, ein Nießen da, eine Hand voll Medikamente dort… Wer bis zur Ordinationsassistentin durchgehalten hat darf sich in den Warteraum setzen. Ein toller Platz finde ich! Was man da an menschlicher Vielfalt beobachten kann tut der Seele gut und ist fast schon ein bisserl heilsam. Vor allem vergisst man vor lauter Fremdbeobachtung die eigenen Wehwehchen ganz von allein. Ich neige dazu mich mit den Mitpatienten zu unterhalten. Ob ich die Wartezeit schweigend verbringe oder ins Gespräch komme ist immer abhängig von Akku, Datenvolumen und SocialMedia-Aktivität der jeweiligen Beisitzer. Mich wundert ja, dass die Ärztin nicht gleich automatisch eine Massage mitverschreibt … Bei dem verspannten Nacken, den die alle haben müssen wenn sie die ganze Zeit aufs Handy starren…

Jeder von uns trägt einen riesigen Kasten voller Schubladen mit sich herum. Freiwillig oder nicht wurde dieser Schrank schon in unserer Kindheit angelegt. Unsere Erfahrungen und die Lebensjahre auf unserem Buckel haben dazu geführt, dass das aufgelegte Ungetüm auch seine Größe angepasst hat. Flexibel ist das riesige Kastel dabei in Breite, Höhe und Tiefe, das Schubladensystem ist stabil, festgefahren und nur sehr schwer zu verändern. Gut, dass wir es immer dabei haben. Dann tun wir uns leichter Menschen, Situationen und was uns sonst unterkommt einfach systematisch einzuordnen. Arztbesuche sind besonders schrankfreundlich, die Supermarktkasse oder der Spielplatz bieten auch ungeahnte Möglichkeiten die freien Plätzchen zu füllen. Wäre bloß der Ordnungswahn im Kleiderschrank auch so ausgeprägt, wir hätten kein Chaos mehr.

Aber heute ist Schluss mit dem Schubladisieren! Mir reichts! Bin ich verrückt, dass ich mir das antu und den ganzen Müll mit mir herumschleppe? Aussagen die Worte wie alle, immer, jeder, Frauen, Männer, die Jugend, Schwiegersöhne, Graureiher und was man sonst noch kategorisieren kann enthalten, gehören einfach mit samt dem Kastl weggesperrt und nie mehr herausgelassen. Wenn ich überzeugte Sortierer auf diesen Unsinn anspreche, dann bekomm ich als Antwort nur: „wieso… stimmt doch, …“

Ich habe beschlossen meinen Schrank mit den vielen Schubladen gegen ein Regal zu tauschen. Das ist viel luftiger und lässt Raum für neue Erfahrungen, Ideen und viele interessante Bekanntschaften. Außerdem werd ich es bunt anmalen, dann passt es viel besser in die Welt. Die ist nämlich auch bunt!

Eine schöne Zeit wünsch ich dir!

Deine Barbara

P.s.: Schreib mir doch, wie es deinem Schrank so geht! Würde mich freuen 🙂

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